Reboarder

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Während meiner Schwangerschaft habe ich bereits viele Baby- und Kleinkindartikel gekauft. So auch einen Kindersitz für die Zeit nach der Babyschale. Abgekauft habe ich den Sitz einer Bekannten für kleines Geld. Ihre Tochter war bereits aus dem Sitz herausgewachsen, er war kaum genutzt und zudem unfallfrei. Bei einem Schnäppchen muss man eben schnell reagieren und zuschlagen. Zumindest dachte ich damals noch so. Kaum war die Zuckerfee nämlich geboren, stieß ich auf einen Facebook Beitrag zum Thema „Reboarder – rückwärtsgerichtetes fahren“. Der Artikel weckte meine Neugierde auf weitere Informationen zu diesem Thema.

Über mehrere Tage habe ich mich mit dem Thema „Reboarder“ letztlich beschäftigt und entschieden, dass wir keinen herkömmlichen Kindersitz nach der Babyschalenzeit nutzen möchten. Seither steht der Schnäppchensitz in einem Zimmer meiner Eltern und wird zum Spielen verwendet. Die Zuckerfee liebt es nämlich ihre Puppen auf Reisen zu schicken. Immerhin hat der Kindersitz so noch eine Verwendung. Inzwischen kaufe ich auch nicht mehr einfach drauf los. Bei größeren Anschaffungen oder die Sicherheit betreffenden Produkten, informiere ich mich zunächst genau.

Aus meiner damaligen stichwortartigen Übersicht zum Thema „Reboarder“ habe ich für euch den folgenden Artikel mit allen mir zur Verfügung stehenden Informationen geschrieben.

Weshalb ein Reboarder der sicherste Auto-Kindersitz ist

Zunächst sei vorab erklärt, dass Kinder mit einem Reboarder rückwärtsgerichtet im Auto mitfahren. Möglich ist das sogar problemlos bis zum vierten Lebensjahr. Je nach Hersteller sogar bis zum sechsten Lebensjahr. Ich selbst dachte bis zu dem obigen Beitrag bei Facebook, dass das rückwärtsgerichtete Fahren lediglich Säuglingen mittels Babyschale vorbehalten bleibt.

Das rückwärtsgerichtete Fahren bringt einige Vorteile mit sich. Das nennenswerteste Argument ist allerdings die Sicherheit. Wer einmal selbst einen Aufprall mit dem Auto erlebt hat, weiß wie Zugkräfte den gesamten Körper nach vorne schellen lassen. Je nach Geschwindigkeit können einzelne Gliedmaßen nicht mehr kontrolliert und noch weniger durch den Muskelapparat geschützt bzw. gestützt werden. Bei einem unvorhersehbaren Aufprall ist dies bereits bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten nicht mehr möglich. Das liegt schlichtweg an dem Überraschungsmoment. Fahrer und Beifahrer bekommen oft rechtzeitig mit, dass ein Unfall geschehen wird. Sie können ihre Muskeln nutzen und/oder sich festhalten, um Verletzungen abzuwenden. Kleine Kinder können dies nicht. Für sie ist jeder Unfall unvorhersehbar.

Während einem Aufprall schießen vorwärtsfahrende Kinder nach vorne. Ihren Gliedmaßen, insbesondere ihren verhältnismäßig großen Kopf können sie nicht mehr kontrollieren, sprich halten. Die Verletzungen, ob leichte/mittlere/schwere können weitreichende Folgen auf den gesamten kindlichen Bewegungsapparat haben. Irreparable Schäden am Körper der Kinder sind nicht ausgeschlossen. Als Beispiele für mögliche Verletzungen können hier Stauchungen, Überdehnungen oder Brüche an der Wirbelsäule genannt werden. Aber auch Lähmungen und Verletzungen am Rückenmark sind denkbar.

Und genau diesen Verletzungen, welche durch ein rückartiges nach vorne Schellen verursacht werden, beugt der Reboarder vor bzw. mindert die Gefahr solcher erheblich. Diese höhere Sicherheit bietet der Reboarder nicht nur bei einem frontalen Zusammenstoß, sondern ebenfalls bei einem Seitenaufprall. Reboarder verfügen über tiefe gepolsterte Seitenteile sowohl im Kopf- und Körperbereich. In diese wird das Kind bei Aufprall gedrückt, wodurch ein Herausschellen aus dem Sitz nicht mehr möglich ist.

Altersempfehlungen für Reboarder

Einige Hersteller geben an, dass ihre Reboarder bereits ab der Geburt zugelassen sind und dadurch auf eine Babyschale verzichtet werden kann. Das liegt unter anderem an der einstellbaren Schlafposition. Fachhändler von entsprechenden Kindersitzen empfehlen überwiegend jedoch eine Nutzung erst ab Sitzalter. In der Babyschale befinden sich Säuglinge in einer Liegeposition, die durch die Schlafposition im Reboarder nicht nachgeahmt werden kann. Dennoch ist der Umzug von der Babyschale zum Reboarder schneller möglich als der Umzug zum herkömmlichen Kindersitz.

Genutzt werden kann der Reboarder je nach Hersteller überwiegend bis zum vierten Lebensjahr. Sogar für bis zu sechsjährige Kinder gibt es entsprechende Lösungen. Wie oben beschrieben, stellt das Verhältnis von kindlichem Kopf zu Körper die größte Gefahr bei einem Aufprall mit einem herkömmlichen Kindersitz dar. Aus diesem Grund sollten Kinder so lange wie möglich rückwärtsgerichtet im Auto mitfahren. Der Kopf gleicht sich im Verhältnis zum Körper langsam und mit zunehmendem Alter des Kindes an. Als Richtwert wird hier bei Fachhändlern und in medizinischen Berichten das dritte bis sechste Lebensjahr genannt. Demnach lautet die Empfehlung das Kinder mindestens bis zum dritten oder vierten Lebensjahr ausschließlich im Reboarder transportiert werden sollten.

Für so ziemlich jedes Auto gibt es einen passenden Reboarder

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an verschiedenen Reboarder, wodurch auch für so ziemlich jedes Auto ein passender Sitz erhältlich. Natürlich benötigen rückwärtsgerichtete Kindersitze mehr Platz als ihre herkömmlichen Mitstreiter, aber auch für kleinere Autos gibt es mögliche Modelle. Bei der Auswahl eines Reboarders sind u.a. das Automodell sowie die Rückbankform maßgeblich. Tatsächlich bedeutet ein größeres Auto nicht gleich mehr Platz für den Sitz, denn auch diese können schmale Rückbänke aufweisen.

Fraglich ist allerdings oft, ob man bei einer Reboarder-Nutzung noch auf dem vorderen Beifahrersitz platznehmen kann. Das hängt ebenfalls erneut von der hinteren Platzmenge aus. In den meisten familientauglichen Autos ist das problemlos möglich, wenn auch mit ein wenig weniger Beinfreiheit.

Die nebenliegenden Beifahrersitze sind in Autos meistens voll nutzbar. Im Gegensatz zu in der Breite wachsenden herkömmlichen Kindersitzen bleiben Reboarder bei ihrer ursprünglichen Größe. Auf eine reguläre Rückbank können somit meistens zwei rückwärtsgerichtete Kindersitze installiert werden. Bei einem größeren Auto kann selbst dann der mittlere Sitz noch genutzt werden.

Kinder sitzen auch im Reboarder gemütlich

Kinder ziehen meistens zwischen dem Sitzalter und dem ersten Lebensjahr von der Babyschale in einen Reboarder um. Bei der ersten Nutzung bekommen viele Eltern ein mulmiges Gefühl, weil die Kinder froschartig oder mit angewinkelten Beinen im neuen Sitz platznehmen müssen. Die Beine können nicht wie bei einem herkömmlichen Kindersitz herunterbaumeln oder ausgestreckt werden. Doch tatsächlich empfinden fast nur erwachsene Menschen diese Haltung als unbequem. Für sehr kleine Kinder ist eine Körperhaltung mit angewinkelten Beinen natürlich und sehr bequem. Größere Kinder empfinden eher herunterbaumelnde Beine als unbequem.

Sollten Eltern dennoch bedenken hinsichtlich der Beinfreiheit haben, besteht die Möglichkeit einen sich ausladende Reboarder auszuwählen. Selbstverständlich ist dafür der nötige Platz im Auto sowie ein passender Reboarder Voraussetzung. Allerdings wird auch hier mit zunehmendem Alter die Beinfreiheit der Kinder eingeschränkt. Es empfiehlt sich tatsächlich die Kinder zu beobachten, um ein Stückweit gelassener zu werden. Zumindest was die fehlende Beinfreiheit betrifft. Kinder die wirkliche Probleme mit der Bequemlichkeit haben, werden sich schlichtweg melden und bemerkbar machen.

Mögliche Befestigungssysteme vom Reboarder

Es gibt zwei verschiedene Arten einen Kindersitz im Auto zu befestigen. Und zwar die altbekannte Methode, einen Kindersitz im Fahrzeug mit den Gurten zu befestigen und eine etwas neuere Methode mit einem im Fahrzeug verbauten Befestigungssystem (Isofix) für Kindersitze. Für beide Befestigungssysteme sind passende Reboarder im Handel erhältlich.

Isofix als Befestigungssystem

Welche Fahrzeuge über eine Isofix-Einrichtung, dabei handelt es sich um kleine Bügel, verfügen kann pauschal nicht gesagt werden. Ist ein Isofix-System gegeben, findet sich ein entsprechender Hinweis im Fahrzeughandbuch. Auch ein Blick auf den vorderen und die beiden hinteren Beifahrersitze kann sich lohnen. Das Isofix-System versteckt sich dabei weit unten, jeweils rechts und links, an den Rückenlehnen und direkt beim Sitzpolster. Einige Hersteller haben an den Sitzen erkennbare Hinweise angebracht.

Um das Befestigungssystem zu nutzen, gibt es ebenfalls wieder zwei Arten von Kindersitzen. Eine mögliche Art ist es den Reboarder mittels Basisstation im Auto zu montieren. Zunächst wird die Basisstation auf dem (hinteren) Beifahrersitz montiert, indem die Isofix-Konnektoren eingerastet werden. Danach wird der Reboarder nur noch auf die Station aufgesetzt (es klickt!). Damit ist der Kindersitz auch schon zur Nutzung bereit. Die andere Variante sind die Kindersitze, welche die Isofix-Konnektoren direkt am Sitz verbaut haben. Diese Sitze werden direkt und ohne Basisstation, durch einrasten, im Auto montiert.

Hinweis: Einige Hersteller bieten Basisstationen an, auf welche verschiedene Kindersitzmodelle angebracht werden können. Zunächst kann beispielsweise die Babyschale und anschließend dann der Reboarder verwendet werden.

Die Vorteile durch Isofix sind ein schneller und vor allem unkomplizierter Einbau. Einbaufehler sind kaum möglich.

Die einzelnen Kindersitzgruppen bzw. die geltende Normen

In Deutschland ist so ziemlich alles rechtlich geregelt. Natürlich auch die Zulassung und Verwendung von Kindersitzen. Aktuell gibt es zwei Normen, die bis auf weiteres beide gelten. Und zwar die Norm ECE R 44/04 sowie Die ECE R 129 (I-Size-Norm). Verwendete Kindersitze sollten über einen Hinweis auf die Einhaltung dieser Normen verfügen. Bis zu einem Alter von 15 Monaten ist das rückwärtsgerichtete Fahren gesetzlich vorgeschrieben!

Die Norm ECE R 44/04 teilt die Kindersitzgruppen nach Gewicht ein. Die sogenannte I-Size-Norm setzt hingegen auf die Größe und das Alter des Kindes. Auffällig ist, dass diverse Fachhändler und auch Versicherungen unterschiedliche Angaben zu den jeweilig geltenden Normen machen. Aus den häufigsten Angaben ist die unten stehende Tabelle entstanden. Es sollte immer die Beschreibung des gewünschten Kindersitzes genauestens studiert werden! Dort sind alle notwendigen Angaben enthalten.

GRUPPE / GEWICHT / GRÖßE / ALTER

0 /0-9 kg / bis 75cm / 12 Monate

0+ / 0-13kg / bis 83cm / 1 ½ Jahre

1 / 9-18kg / ca 70 bis 105cm / 1 ½ – 4 Jahre

2 / 15-25kg / 105cm bis 125cm /  4 bis 7 Jahre

3 / 22-36kg / 125 bis 150cm / 7 bis 12 Jahre

Es handelt sich bei Größe und Gewicht um circa Angaben.

 

Die Vorteile von Reboarder, sprich dem rückwärtsgerichteten Fahren, auf einen Blick:

Sicherheit, das wohl wichtigste Argument!

Durch das rückwärtsgerichtete Fahren können im Falle eines Unfalls viele Verletzungen verhindert werden.

Frühere Nutzbarkeit als herkömmliche Sitze

Ein Reboarder kann wesentlich früher zum Einsatz kommen als ein herkömmlicher Kindersitz. Empfohlen wird durch Fachhändler eine Nutzung ab Sitzalter.

Bequeme bzw. natürliche Körperhaltung

Obwohl es viele Eltern nicht vermuten, sitzen Kinder in einem rückwärtsgerichteten Kindersitz bequemer. Insbesondere bei kleinen Kindern wird die natürliche Körperhaltung beibehalten. Bei herkömmlichen Kindersitzen hängen die Beine größerer Kinder frei herab. Viele Kinder mögen dieses Gefühl überhaupt nicht und finden sehr schnell eine bequeme Position im Reboarder.

 

Unsere Kindersitze / Reboarder

Da wir zwei Autos regelmäßig benutzen, benötigten wir auch dementsprechend zwei Reboarder. Wir haben uns zweimal für den Joie Spin 360 entschieden und bereuen unsere Entscheidung nicht. Genutzt werden kann unser Kindersitz vorwärts- oder rückwärtsgerichtet, da er um 360° drehbar ist. Unsere Zuckerfee fährt ausschließlich rückwärtsgerichtet mit. Sie weiß es einfach nicht anders. Würde meine Zuckerfee wissen, dass der Sitz auch in Fahrtrichtung gedreht werden kann, würde sie sicherlich auch gerne mal vorwärtsgerichtet fahren. Das wäre für uns jedoch keine Option, daher behalten wir das schön brav für uns.

Einstellen lassen fünf verschiedene Liege- bzw. Sitzpositionen, wobei diese sich nur minimal unterscheiden. Die Stoffbezüge vom Sitz sind sehr robust hergestellt und sorgfältig genäht. Toll finde ich auch, dass der Anschnallgurt mit einer Hand festgezogen oder gelockert werden kann. Durch Hochstellen der Kopfstütze, erhöhen sich auch die Gurte. Das sollte natürlich aufgrund des kindlichen Wachstums regelmäßig erfolgen. Einzig und allein hat mich das Handbuch ein wenig geärgert. Es dürfte ruhig ein wenig ausführlicher gestaltet sein. Gerade ohne vorherige Kindersitzerfahrung reicht es an manchen Stellen nicht wirklich aus. Beim Fachhandel oder auch im Internet gibt es jedoch zahlreiche Erklärungen 🙂

Eine Empfehlung aussprechen ist jedoch nicht möglich. Wählt einen Kindersitz, der zu eurem  Automodell, Platz und vor allem zu eurem Kind passt. Dann können Erfahrungsberichte helfen, eine Kaufentscheidung zu treffen.

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