Hier ist ein Baby mit Ohrringen zu sehen.

Gestern besuchte ich mit meinen beiden Mädchen einen nahegelegenen Spielplatz. Während meine große Zuckerfee seelenruhig im Sandkasten spielte schlummerte die kleine Blumenfee im Tragetuch vor meiner Brust. Ich beobachte meine Mäuse und staunte wieder einmal aufs Neue wie perfekt sie sind. Und genau in diesem Moment fingen zwei andere Mamis neben mir zu diskutieren an. Ihr Thema „Ohrlöcher bei Kindern”. Oh mir schauderte es gleich. Ein Thema zu dem ich eine ganz klare Meinung habe! Zugeben muss ich an dieser Stelle, dass ich den beiden ab dort ein wenig lauschte. Aber zu meiner Verteidigung: Ich konnte sie nicht überhören! Das konnte niemand innerhalb von einem Radius von 100 Metern!

Die Diskusion “Ohrlöcher bei Kindern”

Eine der beiden Mütter berichtete, dass sie ihrer Maus mit knapp drei Monaten Ohrlöcher schießen lassen hat. Sie betonte, dass die kleine den Eingriff schon längst wieder vergessen habe. Die andere Mutter regte sich auf und fragte, wie man auf solch einen Trichter kommen würde. An dieser Stelle ging ich davon aus, dass letztere Mutter und ich auf einer Wellenlänge zu diesem Thema sein. Allerdings kam schnell die Ernüchterung. Sie regte sich lediglich über das Wort „schießen“ auf. Ohrlöcher schießen gehöre verboten. Nur das „Stechen“ von Ohrlöchern bei Kindern sei zeitgemäß. Uff… Für mich persönlich macht es keinerlei Unterschied, ob ein Kleinkind ein gestochenes oder ein geschossenes Ohrloch hat.

Es ist ganz gleich seiner Art zunächst ein Eingriff aus dem eine Verletzung hervorgeht. Und das nur mit einem Ziel. Der Verschönerung des menschlichen oder soll ich sagen des kindlichen Körpers. Dies stellt meine ganz persönliche Definition zu Ohrlöchern bei Kinder dar. Nochmal zurück zu den beiden Müttern. Die zweite Mutter erzählte, dass ihre Tochter zu Weihnachten ihre Ohrlöcher geschenkt bekam. Laut ihrer Aussage war ihre kleine Maus knapp zwei Jahre alt. Ein ihr bekannter Piercing hat dem kleinem Mädchen zum Körperschmuck verholfen. Sie hat sich so darauf gefreut, ihrer Tochter endlich Ohrschmuck zu kaufen. Ich mochte nicht mehr zuhören und setzte mich zu meiner Tochter in den Sand.

Ein Ohrloch beim Kind ist ein Piercing!

Mir ging die Unterhaltung der beiden Mütter auch Zuhause nicht mehr aus dem Kopf. Ich kann absolut nicht verstehen, wie selbstverständlich durchlöcherte Kinderohren sind. Wie selbstverständlich es ist, diesen kleinen Körper verschönern zu möchten. Unsere Mäuse sind doch alle so perfekt. Ich selbst habe erstmalig im Kindergartenalter Ohrlöcher bekommen. Geschossen wurden sie in einem kleinen Drogeriemarkt an der nächsten Ecke. Hygiene und Co. wollen wir jetzt mal nicht hinterfragen.

Meine Mutter ist zu meiner Jugendzeit eine absolute Gegnerin von Tätowierungen und Piercings sämtlicher Art gewesen. Ein hiesig beliebter Satz: „Wenn der liebe Gott gewollt hätte, dass du gepierct oder tätowiert wärst, wärst du mit Löchern und bunten Bildern geboren.“ Aha! Und was ist mit Ohrlöchern beim Kind? Diese zählen natürlich nicht dazu. Gesellschaftlich weitverbreitet und im Alltag akzeptiert. Das kann ja dann kein Piercing sein. Doch genau das ist es! Würde ein Kleinkind oder Kind nach weiteren Piercings im Gesicht fragen, würden mit Sicherheit fast alle Eltern verneinend den Kopf schütteln. Ein Widerspruch zwischen Worte und Verhalten oder besser ausgedrückt, dass nennt sich Doppelmoral.

Ein aufgezwängtes Schönheitsideal

Fast allen Menschen in unseren Regionenschwebt ein bestimmtes Schönheitsideal im Kopf rum. Die einen versuchen ihr Schönheitsideal vehement beizubehalten oder es zu erreichen. Den anderen sind Schönheitsideale völlig wurscht. Allerdings sind das die Ideale von uns Erwachsenen. Kindern sind diese Vorstellungen völlig wurscht! Es sei denn, wir haben Ihnen unsere Vorstellungen bereits anerzogen. Das Thema spiegelt sich bereits in Kinderkleidung, Frisuren und weiteren Punkten wieder. Kinder tragen das was wir Großen toll und süß finden. Wir lenken sie beim Einkaufen und wir lenken sie in ihrem Verhalten. Das reicht doch wirklich?

Wir müssen unsere Kindern doch keine Verletzungen (ja das sind Ohrlöcher) zufügen, weil wir das so niedlich finden oder? Sicherlich sehen Kindern bei Anderen Ohrringe und wollen irgendwann auch welche tragen. Sie kennen doch aber gar nicht die Tragweite bzw. die Auswirkungen. Sie wissen gar nicht, was auf sie zukommt. Und das muss nicht nur der Schmerz beim stechen oder schießen sein. Ohrlöcher bei Kindern können sich entzünden bzw. nie richtig abheilen. Das kann ein kleiner Mensch in seine Entscheidung alles nicht miteinbeziehen. Oder würde jemand seinem Kleinkind ein gewünschtes Lippenpiercing gestatten? Ich lehne mich einfach mal aus dem Fenster und sage ganz klar nein.  

Nicht alles ist Gold was glänzt

Meine ersten Ohrlöcher sind bereits zur Grundschulzeit wieder zugewachsen. Ich fand es zwar ganz toll Ohrringe zu tragen, durfte jedoch eine schmerzliche Erfahrung machen. Ich habe gerne niedliche Ohrstecker mit Schmetterlingartigen Verschluss getragen. An einem Morgen stellte ich im Kindergarten fest, dass der kleine Verschluss an einem Ohrloch fehlt. Natürlich habe ich unentwegt an dem Ohr sowie dem Ohrloch herumgefummelt. Irgendwann fühlte ich, dass irgendetwas in meinem Ohrloch steckt. Und zwar der kleine Verschluss meiner Ohrstecker. Na super!

Meine damalige Erzieherin, an die ich mich sofort wandte, konnte den Verschluss nicht Ohrläppchen erkennen und tat meine Sorge als Unsinn ab. Zuhause berichtete ich meinen Eltern von der „Schraube in meinem Ohr“. Da niemand den Verschluss von außen erspähen konnte, wollten sie meine Aussage ebenfalls als Stuss abtun. Doch dann erblickte mein Vater ein kleines goldenes Eckchen in meinem Ohrloch. Ganz genau! Der Verschluss war in meinem Ohrloch verschwunden. Ich erinnere mich noch heute sehr gut an die Tortur der Entfernung. Unschön! Das kann ich noch heute sagen. Es läuft eben nicht alles perfekt, wenn man seinen Körper durch Eingriffe verschönert. Mal ganz davon abgesehen, bereits das Stechen oder auch Schießen ist unangenehm bis schmerzhaft. Erst im Erwachsenenalter habe ich mich zu neuen Ohrlöchern entschieden und sie sogar eine Zeitlang auf zehn Millimeter gedehnt.

Also ich bin kein genereller Fein von Ohrlöchern. Nur eben nicht konform mit Ohrlöchern beim Kind!

Ohrlöcher bei Kindern – Nur wann?

Ich mag mich gar nicht auf ein wirklich bestimmtes Alter festlegen. Kinder sind einfach zu individuell und verschieden. Ich würde es ganz klar von der Reife und dem Verständnis eines einzelnen Kindes abhängig machen. Ihr Kind kennen nun mal alle Eltern am Besten und selten dahingehend sehr gut abschätzen können, ob ihr Kind bereit für Ohrlöcher ist. Wichtig ist, dass das Kind versteht was mit Ohrringen verbunden ist oder auch was einfach passieren kann. Ich spreche hier vom Schmerz des Stechens, dem empfindlichen Anfangszeit und von eventuellen Entzündungen. Das Kind sollte auch soweit sein, dass es nicht laufend mit dreckigen Fingern am frisch gestochenen Ohrloch herumspielt. Da wären sonst Entzündungen vorprogrammiert.

Mein Mann und ich haben bereits vor einiger Zeit entschieden das unsere Tochter zumindest im Alter eines Teenagers sein muss, bevor wir überhaupt weiterführend darüber nachdenken. Vorher darf sie jederzeit gerne Alternativen tragen wie zum Beispiel Magnetohrringe. Denn davon gibt es einige tolle Möglichkeiten! Schaut doch zum Beispiel mal bei www.etsy.com nach dem Magnetohrringen. Da ist ganz toller Schmuck für Kleinkinder dabei!

Ich möchte mit meinem Beitrag wirklich niemanden zu Nahe treten, letztlich müssen alle Eltern selbst entscheiden welche Eingriffe sie bei ihren Kindern als nötig erachten. Aber es würde mir gut gefallen, wenn Eltern die vor einer derartigen Entscheidung stehen auf meinen Blogbeitrag “Ohrlöcher bei Kindern” aufmerksam werden. Und ja, ich würde mich tierisch freuen, wenn ich sie bei ihrer Entscheidungsfindung positiv beeinflussen konnte!

Mamatragmich – Auf Händen und bis zum Ende der Welt ♥ ♥ ♥

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.